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Mein Weg zum SL



       würde sich bei der Verkäuferin erkundigen, was ginge. Eine
       Stunde später kam sein Rückruf mit der Aussage, dass  €
       11.000 zu wenig seien, aber € 12.000 würde die Verkäuferin
       akzeptieren und er hätte endlich seine Ruhe. Ohne weiteres
       Nachdenken sagte ich Ja.
        Eine Woche voller Unruhe bis zur Abholung des Wagens,
       den ich auf eigener Achse die 170 km zurück ins Münster-
       land brachte. Dann die große Wäsche und unter Schmutz und
       Schlamm kam wirklich Schritt für Schritt der impallafarbene
       Schwan zum Vorschein, von dem ich geträumt hatte. Dann ab
       zum Mercedeshändler meines Vertrauens zum großen Service
       und technischen Vollüberprüfung, mit dem Ergebnis, dass es
       technisch nichts zu bemängeln gab, auch nicht vom TÜV. Alle
       Flüssigkeiten waren getauscht, Reifen und Bremsen neu und
       mein neuer 107 war startklar für die Fahrt in den Süden.
        Mit Autozug von Düsseldorf bis nach Bozen und von dort
       nach Sardinien, das war die erste glückliche Fahrt die Fred-
       dy, so war mein neuer Freund von mir getauft worden, ohne
       jede Panne perfekt meisterte. Die Strände um Alghero waren
       wunderschön und offen Fahren auf der Insel eine permanen-
       te Seelenmassage. Eines späten Nachmittags kam ich von
       einem  längeren  Strandaufenthalt  zurück  zu  meinem  unter
       Pinien wartenden Freddy. Dann, ich traute  meinen  Augen
       nicht, stand doch dort neben Freddy der exakt selbe 107er in
       Karosserie- und Softtopfarbe noch einmal. Sonnenstich oder
       Fata Morgana?
        Ein jüngeres Pärchen löste sich aus dem Schatten und kam
       auf mich zu, mit der Frage, ob der 107er mit dem deutschen
       Nummernschild mir gehöre? Ich bejahte und die beiden Ita-
       liener sagten mir lachend, dass sie schon seit 1,5 Stunden auf
       meine Rückkehr warteten, weil es ein unglaublicher Zufall sei,
       ein optisch gleichen 107er hier auf Sardinien zu treffen. Es
       handelte sich ebenso um einen impallafarbenen 300 SL mit
       braunem Softtop, allerdings von 1987. Wir verabredeten uns
       zum Essen und verbrachten miteinander einen zauberhaften
       Abend, gefolgt von einer gemeinsamen Ausfahrt ins Inselin-
       nere am nächsten Tag. Die erste 107er-Freundschaft – schade,
       dass meine Erinnerungsfotos von Sandra & Vincenzo und den
       beiden 107er aktuell verschollen sind.
        Auf dem Heimweg nach Deutschland beschloss ich über die
       Schweiz in St.Moritz eine Freundin zu besuchen, die ich im
       Jahr zuvor auf Elba kennengelernt hatte. Auch in St. Moritz
       kam Freddy hervorragend an, obwohl es bei der gemeinsa-
       men Fahrt zum Abendessen  wie aus  Eimern  gegossen hat.
       Aber bei geschlossenem Verdeck kann so ein 107er auch ein
       sehr romantisches Plätzchen sein. Heute ist diese Freundin
       meine Frau, mit der ich nun schon fast 14 Jahre glücklich ver-
       heiratet bin. Und auch wenn Freddy nicht der Anstifter war,
       glaube ich doch, dass seine Eleganz und sein Stil auch ein
       bisschen mit in die Waagschale gefallen sind. Zum großen
       Glück ist meine Frau auch ein „Petrolhead“, sodass nicht nur
       unsere Familie, sondern auch unsere Oldtimerfamilie gewach-
       sen ist. Und Freddy ist mir jetzt schon seit fast 18 schönen
       Jahren treu und zaubert immer wieder ein sonniges Lächeln
       in unsere Gesichter.
                                   Bernhard ter Hürne,
                                    Clubmitglied 3089






       Das Clubmagazin des Mercedes-Benz R/C 107 SL-Clubs Deutschland e.V.                 107 Klassik 2/2022   -   49
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