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Mein Weg zum SL
Mit dem Leben verwoben –
das Glück von Impalla Metallic
Schon mit der Muttermilch bin ich zum Fan der Marke mit dem Stern geworden. Das erste Auto, an welches ich mich
erinnern kann, war die weiße 280 SE W 108 Limousine meiner Eltern, mit der wir bei der Fahrt in den Sommerurlaub
immer den weißen Rekord C von Onkel Hermann auf der Autobahn haben stehen lassen.
Hinter der Werkshalle des elterlichen Außen, olivgrün Innen, das ging aus damaliger Stück weit unspektakulär. Als beruflich aufstre-
Holzbetriebs stand zwar noch ein alter, Sicht wirklich besser. Ich war daher froh um das bender Junggeselle konnte ich meinen Arbeitge-
grauer Opel Rekord B Caravan, aber Vertrauen meines Vaters, ab und zu seinen 380 ber beim anstehenden Fahrzeugwechsel davon
mein Vater versicherte mir glaubhaft, SE benutzen zu dürfen. Aus heutiger Sicht be- überzeugen, mir einen CLK 500 zur Verfügung
dass der Wagen nur geschäftlich ge- werte ich die Farbwahl meiner Eltern natürlich zu stellen, den die regionale Mercedesvertretung
nutzt worden war. Er war allerdings ein wieder ganz anders. zu Sonderkonditionen anbot, weil ein Kunde
toller Spielplatz für meine Geschwister Danach kam eine Golf & Jetta-Strecke in mei- vom Kauf zurückgetreten war. Das wäre wirklich
und mich, hat aber die prägende Mar- nem Leben, bis ich dann, nach Rückkehr vom schon eine große Verbesserung gewesen, wären
kenpräferenz nicht mehr beeinflussen Auslandsstudium meinen ersten eigen Benz er- die damaligen Elektronikprobleme von Mercedes
können. warb. Einen 12 Jahre alten weißen W 123/200 nicht auch bei meinem C 209 verbaut gewesen.
D mit blauem Stoffinterior. Der gelegentliche, Mit der daraus resultierenden latenten, aber
Als mein Bruder dann zu seinem 18. Geburts- wochenendliche Hin-und Rückweg aus Frankfurt unbewussten Unzufriedenheit war ich an einem
tag den weißen 200 D /8 meiner Mutter überneh- ins Münsterland war eine dreistündige Freude sehr sonnigen Freitagmorgen auf dem Weg nach
men durfte, war das Auto so ziemlich das coolste mit dem Wagen – komfortabel mit guter Musik Amsterdam. Sie kennen diese Frühlingstage im
Gefährt, das man sich als Jugendlicher nach dem aus dem Becker Europa Radio. Und auf den Ge- späten April, wolkenloser blauer Himmel, die Luft
Führerschein vorstellen konnte. Millimeterdickes raden der A3 zeigte der Tacho manchmal sogar noch angenehm kühl und trotzdem erzeugen die
Blech und mit 54 PS trotzdem eine Schau. Ein 150+km/h! Aber bloß nicht bremsen, sonst dau- direkten Sonnenstrahlen im Gesicht und auf der
unverwüstlicher und sicherer Panzer und trotz- erte es länger als eine Minute, diese Geschwin- Haut dieses prickelnde Gefühl von Frühsommer.
dem schaffte es mein Bruder den Benz wie einen digkeit wieder zu erreichen, wenn überhaupt. Glückshormone strömen ins Blut und ein südli-
Sportwagen zu bewegen, so dass mir als Beifah- Auch die 4 Monate Auszeit in Italien mit meinem ches Lächeln setzt sich mit der Sonnenbrille im
rer manchmal das Herz stehen blieb. Es ist eben weißen Wal waren toll – unterhalb von Rom ist Gesicht fest.
immer der Fahrer und nicht die Motorisierung. Respekt der Schlüssel zur Vorfahrtsregelung. Und Ich erinnere mich so, als wäre es erst gestern
Ich habe dann auf dem W 123/200 D meiner da schien mein 123iger jedem Fiat den nötigen passiert, April 2004. Es war der Autobahnab-
Mutter Auto fahren gelernt, fand das damals Respekt zu vermitteln. schnitt von Utrecht nach Amsterdam. Damals
aber gar nicht mehr so cool, wie es mir als Ju- Nach beruflicher Rückkehr ins Münsterland 4-spurig, wenig Verkehr, entspanntes Cruisen
gendlicher in Bewunderung meines großen Bru- waren die Firmenfahrzeuge immer mit dem Stern bei 120 km/h auf der dritten Spur, Freitag vor-
ders im /8 erschienen war. Agavengrün (880) versehen, verlässlich und zügig, aber auch ein mittag um 10.35 Uhr. Vor mir auf der 2ten Spur
taucht wie eine Offenbarung ein hellgoldme-
tallic farbener 107er auf, der sich über den von
mpalla Metallic (441) trifft Tabakbraun – eine herrliche Kombination rechts einleitenden Zubringer in den fließenden
Verkehr der A2 eingliedert. Ich bin wie elektri-
siert, sprachlos, vom Donnerschlag gerührt.
Langsam reduziere ich meine Geschwindig-
keit, um im gleichen Tempo versetzt hinter
diesem Designknall von Auto bleiben zu
können.
Der 107 fährt offen, im Cabrio sitzt ein vielleicht
40-jähriger Mann, runde Sonnenbrille, dunkel-
braune Locken, cooles Hemd, Wildlederjacke. Als
wenn John Lennon wieder erstanden ist und sich
eine sonnige Spritztour in der holländischen Tief-
ebene gönnt. Das Zusammenspiel von automobi-
ler Eleganz und zeitlosem Design des 107er mit
der stilsicheren Lässigkeit des Fahrers waren so
46 - 107 Klassik 2/2022 Das Clubmagazin des Mercedes-Benz R/C 107 SL-Clubs Deutschland e.V.

